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Tagesgeschehen vom Samstag, 6. Juni 2026

Die Sitzungszeit geht weiter

Der Morgen des 3. Sitzungstages beginnt mit einer Morgenandacht von Viola Renger über das Staunen über Gottes Größe. Wir dürfen sie neu entdecken und sind in der Stille dazu eingeladen.

Danach sprach Superintendent Olaf Wischhöfer aus der NJK. Er berichtete von der Tagung der NJK, die unter dem Thema „Gemeinde in stürmischen Zeiten: Aufbruch – Abbruch – Umbruch“ stand. Von Umbruch und Abbruch war auch der Tagungsort betroffen. Ein letztes Mal tagte die Konferenz in Braunfels, da das Haus Höhenblick geschlossen wird.

Abbruch und Umbruch sind natürliche Prozesse, die nicht ein Scheitern oder gar zu wenig Gebet markieren, so betonte er, sondern zum Leben dazugehören. Die Liebe Gottes vergeht nicht; sie bleibt in allen Umbrüchen und Abbrüchen.Die NJK hatte sich bereits im letzten Jahr eine neue Struktur gegeben und die drei Distrikte auf einen reduziert, in dem nun zwei statt drei Superintendenten tätig sind. Doch entscheidender als die Struktur soll die Frage sein, wie die Kirche von morgen aussehen kann.

Steht dem Auftrag der Kirche manchmal das Bestreben zum Erhalt einzelner Gemeinden entgegen? Fragen wie diese sollen in einem neuen Gremium besprochen werden. Der Austausch soll möglichst frei sein.
 

Simon Jost, Leiter der Kirchenkanzlei, grüßte die Konferenz und sprach dankbar von seinem Amt, das er seit einem Jahr begleitet und in dem er die Unterschiede der Jährlichen Konferenzen erlebt. Doch vor Gott und der Kirchenkanzlei werden alle Menschen gleich behandelt. 😉

Nach den Grüßen nahm die Konferenz das am gestrigen Abend vertagte Gespräch zu den Bezirkskonferenzberichten wieder auf. Dabei gab es viel Lob für die neue Form und die Ermutigung, frei mit der Berichtsvorlage umzugehen. Die Anregungen aus dem Gespräch werden von den Superintendenten dankbar entgegengenommen, und sie werden diese Form fortlaufend weiterentwickeln.

Pastorin Andrea Petzold berichtete vom Potenzial der Arbeit mit älteren Menschen. Ältere Menschen sind ein großes Potenzial und eine Bereicherung für unsere Gemeinden, für die sich der Einsatz auch über die Seniorenkreise hinaus lohnt.

Von der Rundfunkarbeit berichtete Pastor Stephan Ringeis. Mit seiner gewohnt angenehmen Stimme sprach er von einem enormen politischen und finanziellen Druck beim MDR. Dennoch sei die Zusammenarbeit gut, und es würden viele Menschen erreicht, die zwar kirchenfern sind, aber Interesse an Jesus Christus haben – nicht unbedingt an Kirche.

Die Sprache wird zunehmend rauer, ja bösartiger. Dem sollte etwas entgegengesetzt werden. Gerade die Art, wie wir sprechen, entscheidet darüber, ob wir weiterhin wahrgenommen und verstanden werden.

„Wenn wir reden wie die Menschen, sodass sie uns verstehen, verstehen wir uns auch selber besser.“, schloss er.

Vor der Pause sprach noch Torsten-Michael Ufer zur Suchtarbeit unserer Kirche.
Einen besonderen Dank richtete er an Olaf Tunger als Scharnier zwischen Comeback e.V. und Gemeinde, wodurch die Begleitung von suchtkranken Menschen auf unterschiedlichen Ebenen gelingt.
Torsten-Michael Ufer lädt Gemeinden ein, Comeback zu besuchen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Er schloss mit einer Bemerkung zum Feiern des Abendmahls am Donnerstag mit Saft und Wein.
Mit einer eindrücklichen Erzählung aus der Sicht eines Suchtkranken machte Torsten-Michael Ufer deutlich, welche Herausforderung es für suchtkranke Menschen darstellt, wenn beim Abendmahl Wein ausgeschenkt wird.
Dazu richtete er die große Bitte an die Gemeinden, dieses Thema vor Ort zu besprechen.

(FSU)

Stephan Weiland, Umweltbeauftragter der EmK Deutschland, erinnerte an die besondere Aufgabe des Menschen, die ihm nach dem biblischen Zeugnis zukommt: der Mensch solle über die Schöpfung herrschen und gleichzeitig diese  bewahren und zu pflegen. Herrschaft sei dabei immer eine dienende Herrschaft.

Hans-Martin Kienle überbrachte die Grüße von Werk „Freiraum – Glaube geht raus“, in dem die Zeltmission der EmK nach 100 Jahren gesegneter Arbeit eine neue Form gefunden hat.

Die Konferenz beschäftigte sich im Anschluss mit einem weiteren Schwerpunktthema dieses Jahres. Grundlage ist ein eingebrachtes Dokument zum Thema „Haltung gegenüber gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ | PDF-Datei. Durch den Friedensausschuss der Konferenz wurden auf Bitte des KVR zunächst Leitfragen vorbereitet, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und die Konferenz in Kleingruppen in einen gemeinsamen Austausch über die eigene Haltung zu bringen.

1. Welche Erfahrungen machen wir in unseren Gemeinden mit gesellschaftlicher Polarisierung?

2. Welche Sorgen begegnen uns – offen oder verdeckt – im Blick auf Migration, kulturelle Veränderung, queere Menschen, Menschen mit Behinderung, Armut oder politische Radikalisierung?

3. Wie können wir diese Sorgen ernst nehmen, ohne menschenfeindliche Deutungen zu übernehmen?

4. Wo müssen wir als Kirche in der Nachfolge Christi tatsächlich widersprechen?

Die Konferenz trägt einige Schlaglichter und Beobachtungen aus den Gruppen-Gesprächen zusammen. Folgend eine Zusammenstellung von Redebeiträgen:
- Manche Themen werden nicht offen diskutiert, sondern vermieden
- Kirche soll und muss Räume öffnen, um Gespräche zu ermöglichen
- Es gibt eine Angst vor Radikalisierungen und Verrohung von Sprache von verschiedenen Seiten
- Ein öffentliches Amt in radikalen Parteien und gleichzeitig ein Amt oder eine Aufgabe in der EmK sind miteinander unvereinbar
- Das Positionspapier birgt die Gefahr einer weiteren Spaltung
- Die sorgfältige Auseinandersetzung mit den jeweiligen Wahlprogrammen von politischen Parteien ist notwendig
- Als Kirche in der Nachfolge Christi sind wir allparteilich zu allen Menschen gesandt
- Gegen die Angst und die Enge müssen wir die Weite des Evangeliums neu entdecken, zu finden und zu predigen
- Christen sollen und müssen Brückenbauer und Friedensstifter sein
- Als Kirche müssen wir dort deutlich widersprechen, wo Parteien menschenfeindlich werben und den sozialen Grundsätzen der EmK entgegenstehen
- Eine Positionierung als bloßes Gegenüber kann eine Beziehungsarbeit erschweren
- Jesus stellte sich an die Seite derer, den die Würde abgesprochen wurde
- Wer sind „die da“ und welchen Anteil habe ich selbst in mir von „denen“?

Nach einem intensiven Gespräch im Plenum fasst die Konferenz folgenden Beschluss:

„Die Konferenz stellt sich sichtbar an die Seite von verletzlichen, marginalisierten und gesellschaftlich ungewollten Menschen und erteilt jeglichem extremen, ausgrenzenden sowie menschenfeindlichen Gedankengut eine klare Absage. Die Gemeinden der OJK werden nachdrücklich ermutigt, Schutzräume zu gestalten. Dies meint physische und soziale Orte, an denen Menschen unabhängig von Herkunft, Status oder Lebenslage bedingungslose Annahme, Schutz vor Diskriminierung und die heilende Gemeinschaft des Evangeliums erfahren. Die Konferenz nimmt hierfür die Verfassung, Lehre und Ordnung (VLO) einschließlich der Sozialen Grundsätze der EmK als bindenden Kompass, um vor Ort aktiv für soziale Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenrechte und das friedliche Zusammenleben einzutreten.

Wenn Menschen in Gemeinden der OJK ein Amt/Beauftragung bekleiden und gleichzeitig aktiv und öffentlich durch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auffällt, ist dies unvereinbar mit den Sozialen Grundsätzen der EmK. Die Vorstände und die Bezirkskonferenzen der Gemeinden der OJK haben die Aufgabe darauf zu achten, wenn eine derartige Unvereinbarkeit auftritt, entsprechend zu handeln.“

 

Im Anschluss führte Pastor Andreas Hertig in den Bericht des Gemeinschaftsbundes ein. Er berichtete von dankbaren Zeiten, geistigem Hunger und intensiver Gemeinschaft. Die Konferenz nahm den Bericht mit Dank entgegen.

Superintendent Mitja Fritsch dankte im Anschluss den Mitgliedern des Konferenzverwaltungsrates für die kontinuierliche Arbeit zwischen den Konferenzen. Die Konferenz nahm in der Folge die Protokolle des KVR an.

Pastorin Marie-Theres Ringeis berichtete von ihrer zukünftigen Beteiligung am Leadership Gathering, einem weltweiten Treffen von Leitungspersonen der Kirche. Sie ermutigt, die Berichterstattung dazu intensiv zu verfolgen und die Zeit mit Gebet zu begleiten.

Pastor Christhard Rüdiger verlas zum Ende der Konferenz den Text zur Danksagung. 

Der Konvent Leipzig lud im Anschluss zur 60. Tagung der Konferenz in das Jahr 2027 nach Leipzig ein.

Zum Ende der Geschäftssitzungen kam noch einmal das Konferenzthema „Ja! Ich will. Gott helfe mir.“ zur Sprache. Mit einem in der Konferenz der britischen methodistischen Kirche üblichen Ritual wurden die Konferenzmitglieder eingeladen, sich ihrer eigenen Sendung zu vergewissern. Alle wurden an ihre jeweilige Aufgabe und auch ihr Versprechen erinnert, sich selbst verantwortungsvoll für unsere Kirche und ihren Auftrag einzusetzen. Gemeinsam hieß die Antwort:  „Ja! Ich will. Gott helfe mir.“

(CPO)


„Steh auf!“

Gottesdienst des Frauenwerks

„Ja - ich will... - Mut verändert.“ - etwas abgewandelt stand auch im Gottesdienst des Frauenwerks das Konferenzthema im Mittelpunkt. Mehr als 100 Besucherinnen und Besucher versammelten sich in der Kirche der Pfarrei Herz Jesu in Plauen. Nach der Enge der Konferenzgeschäfte tat die Weite dieses Gotteshauses gut. Das Team des Frauenwerks hatte einen konzentrierten und sehr nahbaren Gottesdienst vorbereitet. 

„Ja - ich will...“ - das klinge so einfach. Aber es stelle sich doch sofort die Frage, „Was will ich denn?“, und „Wer bin ich?“. Oft blieben Antworten aus und das führe in die Enge. Es brauche Mut, Mut, der verändert. Die Geschichte von der Heilung einer blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Jaïrus (Markus 5,23ff.) half, Antworten auf die Spur zu kommen. Einfühlsam wurde die Geschichte durch das Team dargestellt. Monologe schenkten einen Einblick in die unterschiedlichen Personen der biblischen Erzählung, in ihre inneren Kämpfe und Fragen. Das Schicksal der „blutflüssigen Frau“ berührte auf diese Weise ganz besonders. Scham und Ausgrenzung wurden zum Thema.

Das besondere des „In-Einanders“ beider Geschichte wurde nicht nur hörbar, sondern auch spürbar. Sie Sorge der Frau, Jesus würde sie für das Erschleichen ihrer Heilung verurteilen, erweist sich unbegründet. „Fürchte den nicht“, sagte Jesus zu ihr, „dein Glaube hat dir geholfen“. Derweil ist die Tochter des Jairus verstorben. Jairus ist verzweifelt, voller Vorwürfe: „Es gibt ein Zu-Spät“. Jesus findet Verständnis für ihn und tröstet ihn ebenfalls mit den Worten „Fürchte dich nicht, glaube an meine Möglichkeiten.“ - so wurde Jesus im übertragenen Sinn zitiert.  Jesus weckt das Mädchen auf. 

Zwei Geschichten, ineinander verwoben, aber auch ähnlich. Was lasse dabei aufhorchen: Jairus komme von ganz oben und erniedrigt sich. Die Frau erdreistet sich von ganz unten, glaubt und hofft ganz fest. Jesus aber mache keinen Unterschied. Es komme nicht darauf an, was ein Mensch darstellt, ob Zweifler oder Kämpfer. Es kommt auf das Kommen an. Dabei löse Jesus die Grenzen zwischen Mann, Frau und Kind auf. Alle seien ihm gleich wichtig. Jesus hilft. Nicht nach den jeweils menschlichen Vorstellungen, manchmal erst jenseits unserer Grenzen und Möglichkeiten.

Vielleicht finde sich die eigene Geschichte in diesen beiden verwobenen Geschichten wieder, geradezu hineinverwickelt. Fragen, Zweifel, Sorge, Enttäuschung bestimmen manchmal zu lang das Leben. Es stelle sich die Frage: „Bleibe ich auch bei ihm, wenn sich die Situation nicht beherrschen lässt, vertraue ich ihm, komme, was wolle. Gelingt es mir, seinen Willen geschehen zu lassenlassen?“- Und die Antwort wurde gegeben: „Ja. Weil ich weiß, dass er neben mir und hinter mir und in mir ist, und neben dir, hinter dir und in dir ist.“

So entstehe Mut. Schließlich wurden alle Gottesdienstbesucherinnen aufgefordert: „Steh auf!“ Alle Menschen in der schönen Kirche erhoben sich. „Trau Dich, dein Mut wird Dich und diese Welt verändern.“ so es kurz vom dem  „Amen“. Es wurden nicht gesagt, aber viele hatten es vermutlich gedanklich auf den Lippen: „Ja, ich will.“

Mairo Anthony aus dem Norden Nigerias erzählte danach eindrücklich von der Begegnung mit einer in Not geratenen Frau. Mairo widmet in ihrer Arbeit Frauen, die Unterdrückung erleben.  In ihrer Heimat Nigeria wäre dies an der Tagesordnung.  Eindrücklich ergänzte sie aus ihrem Erfahrungshorizont heraus die Verkündigung.

Im Anschluss waren alle Besucher und Besucherinnen zu einem lebendigen Austausch bei Kaffee und Kuchen eingeladen. 


„Jo diggi, lass machen“

Jugendtreffen zur OJK

Am Nachmittag trafen sich die Jugendlichen ganz im Sinne unseres Konferenzthemas in der Markuskirche zu ihrer Jugendkonferenz. Das Motto „Jo diggi, lass machen“ nahm das Konferenzthema in Workshops, beim Volleyball und im Jugendgottesdienst auf.

Die Band aus Crottendorf sorgte in diesem Gottesdienst für unglaublich gute Stimmung. Charlotte und Niklas führten als Moderationsteam souverän durch diesen Gottesdienst.

Auch Bischof Werner Philipp war im Gottesdienst zu Gast und erzählte von seinem Weg im Glauben und im Leben. Er wandte sich an die Jugendlichen und erzählte von einer Begegnung in der Ukraine mit Jugendlichen. Er gab der Gottesdienstgemeinde einen Gedanken aus dieser Begegnung weiter: „Widerstehen ohne zu hassen“. So kann Leben gelingen.
Der Bischof outete sich dahingehend, dass er das Jugendkonferenzthema erst einmal googlen musste und dadurch feststellte, dass das eigentlich auch nichts anderes heißt als: „Ja, ich will.“ 

„Jo, Bro, was gibt’s?“ fragte Mose am Dornbusch und Jonas Will fragt sich in der Predigt, wie er das vor Gott beantworten kann. Warum ist das „Ja, ich will“ bei Gott so viel schwerer, als das „Ja, ich will“ am Altar? 
Vielleicht findet Jonas beim Pilgern eine Antwort. Denn das ist das, was Gott zu Jonas gesagt hat auf so eine ähnliche Frage wie die von Mose zu Gott. „Jo, Bro, was geht?“ „Geh Pilgern. Mit Rico.“

Das war ein besonderer Gottesdienst von und für Jugendliche und auch für eine Reihe von Konferenzmitgliedern. 
„Diggi, das hat echt Bock gemacht!“

(CMS)