Tagesgeschehen vom Donnerstag, 24. Juni 2021

Herzlich willkommen - virtuell auf Schwarzenshof!

Diesmal wollen wir bereits wenige Stunden vor der Eröffnung der Tagung einige Bilder der Vorbereitungen zeigen:

 


„…dass uns etwas durchs Herz gehe“

Eröffnungsgottesdienst der Tagung der OJK

Eine ganz besondere Atmosphäre erfüllte das Backhaus auf Schwarzenshof, als Matthias Zieboll (Leutenberg) und Katrin Schneidenbach (Schleiz) die Zeit vor dem Eröffnungsgottesdienst mit einer unterhaltsamen Anmoderation füllten. Beide sehr medial gekleidet, überbrückten Sie die Zeit mit Informationen, Grüßen an die im ZOOM-Kanal erkennbare Konferenzgemeinde sowie mit heiteren und weniger interessanten Hinweisen zur besonderen Situation einer digitalen Konferenz. „Der Countdown läuft“ – mit diesen Worten wurde die Konferenzgemeinde eingeladen, sich auf den Eröffnungsgottesdienst mit Abendmahl einzustellen. Ganz einfach war es weder für die Gottesdienstbesucher vor Ort, wie für diejenigen, die per ZOOM oder Youtube den Gottesdienst erlebten, sich auf die digitale Form einzulassen.

Marion Meinhardt aus Rudolstadt eröffnete den Gottesdienst festlich mit Highland Cathedral, Air von James D. Wetherald. Mit Flöte und Keyboard ließ sie das bekannte Stück ganz „Corona-like“ als Einzelperson im Backhaus erklingen. Superintendent Werner Philipp betonte zum Eingang: „Nicht nur die Technik, sondern vielmehr der Heilige Geist hält uns zusammen.“ Bekräftigt wurde die Gemeinschaft mit dem Lied „Wir sprechen verschiedene Sprachen. Wir wohnen hier oder dort. Wir tragen verschiedene Namen. Wir hören dasselbe Wort.“ (EM 410).

Spätestens mit der intensiven geistlichen Anrede durch die Predigt traten die Umstände des Gottesdienstes in den Hintergrund. Pastor i. R. Wolfgang Ruhnow stellte sich mit Dank der Aufgabe der Eröffnungspredigt zu Apostelgeschichte 2, 42-47.  Das Konferenzthema „Gehalten durch Christus“ sei für ihn ein plakatives Thema. Der zweite Teil des Themas „Herausforderungen einer intensiven Beziehung“ bewahre die Konferenzgemeinde in ihrem Nachdenken an der Oberfläche zu bleiben. Schließlich sei diese Konferenz Teil eines Prozesses, wo es um entscheidende Weichenstellungen für unsere Kirche geht. Das sei tatsächlich eine große Herausforderung. Wolfgang Ruhnow bemerkte „Der Predigtext ist wohl gezielt für unsere Situation gewählt.“ und stellte wie eine Überschrift über die gesamte Konferenz einen Schlüsselsatz der Apostelgeschichte. Diese helfe den Predigttext zu verstehen (V37): „…als sie das hörten, ging es ihnen durchs Herz“. Ruhnow betonte die Bedeutung der Konferenztage, die uns zusammenführen, dass uns etwas durchs Herz gehe und wir nicht bleiben wie wir sind.

Eingehend auf einzelne Aussagen des Textes unterstrich Ruhnow: „Die Autorität der Apostel sei immer von besonderer Bedeutung für die junge Kirche gewesen. Sie sei nicht  einstimmig (vier Evangelien). Zur Autorität in der Kirche gehört Vielstimmigkeit. „Lehre der Apostel“ heiße nicht, gesagt zu bekommen, was richtig und falsch ist, um sich dann auf die richtige Seite zu stellen. Lukas habe zudem seiner Apostelgeschichte das Evangelium von Jesus Christus vorangestellt. Diese Botschaft sei Kriterium für das Leben und Handeln der Kirche. Um diese Botschaft zu verdeutlichen, zitierte Ruhnow ein Lied, das ihn über Jahrzehnte begleite:

Wir lassen uns auf Jesus ein,
verlieren uns an ihn.
Aus seinem Geiste werden wir neu
der Welt und den Menschen geboren.
Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen.
Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen.

Jesus wohnte nirgendwo,
aber hatte Platz genug für Heimaltlose,
solche, die am Rande lebten.
Ihnen bot er seine Nähe.
Jesus lebte ohne Konto,
aber hatte Brot genug für Habenichtse,
solche, die der Hunger nährte,
ihnen gab er seinen Tisch.

Jesus galt als frommer Narr,
aber hatte Herz genug für Ausgeflippte,
solche, die am Ende waren.
Ihnen bot er einen Sinn
Jesus redete vom Reich,
aber hatte Bild genug für UngebiIdete,
solche, die nicht lesen konnten.
Ihnen gab er seinen Geist.

Jesus hatte keine Gönner,
aber hatte Gott genug für sich und alle,
solche, die ihm folgen wollten.
Ihnen gab er einen Vater.
Jesus tötete den Tod,
aber hatte Angst genug für alle Kommenden,
jene, die einst nach ihm sterben.
Ihnen bot er Auferstehung.

Text: Alois Albrecht, Winfried Offele
Melodie: Peter Janssens
Bibelstelle: Matthäus 10,39
Quelle: https://www.evangeliums.net/lieder/lied_wir_lassen_uns_auf_jesus_ein.html

 

Welche Wirkung Jesus auf die junge Kirche hatte, illustrierte Ruhnow mit den Geschichten vom Kämmerer sowie Petrus und Kornelius. Wiederholt ginge es in diesen Geschichten um die Frage des Umgangs mit traditionellen Ordnungen und Grenzen sowie die Herausforderung sich für Menschen zu öffnen. Die Jerusalemer Gemeinde konnte sich in ihrer Geschichte nicht für Heiden öffnen. Sie sei von der Bildfläche der Geschichte verschwunden. Kirche sie immer wieder herausgefordert, sich zu orientieren an ihren Ursprüngen und damit an Jesus Christus, seinem Handeln und damit dem Doppelgebot der Liebe. Nur so wäre Kirche auf dem Weg zum Reich Gottes, zur Freiheit statt zur Herrschaft des Buchstabens. Er forderte die Konferenzgemeinde auf, auf Jesu Reich hin in einer intensiven Beziehung zu leben. Die Kirche werde dabei helfen, aber auch hindern. Bleiben werden Glauben, Hoffnung, Liebe…aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
(Hier kann die Predigt heruntergeladen werden | PDF-Datei >>>)

Die Konferenzgemeinde feierte das Heilige Mahl. Weit zerstreut an den Bildschirmen wurde die Gemeinde eins durch Brot und Kelch. Bischof Harald Rückert sprach der Gemeinde den Friedensgruß mit Worten aus Nehemia 8,10 zu: „Seid nicht bekümmert, die Freude am Herrn ist eure Kraft.“

Der Eröffnungsgottesdienst auf YouTube >>>