Tagesgeschehen vom Sonntag, 11. Oktober 2020

Seid Agentinnen der Hoffnung und des Vertrauens

Ordinationsgottesdienst in der St. Annenkirche zu Annaberg-Buchholz

Zum Abschluss der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz feierte die Konferenzgemeinde gemeinsam mit vielen Besuchern der umliegenden Gemeinden den Ordinationsgottesdienst. Am Samstag hatte die Konferenz Marie-Theres Ringeis (Zschopau) und Christine Meyer-Seifert (Chemnitz) zur Ordination empfohlen. Als Pastorin auf Probe war Marie-Theres Ringeis in den letzten Jahren auf den Bezirken Zschopau und Marienberg tätig. Christine Meyer-Seifert absolvierte ihre Probezeit in Zwickau und Zwickau-Planitz.

Ausbildungsweg kommt zum Ziel

Etwa 500 Gläubige versammelten sich, um diesen festlichen Gottesdienst mitzufeiern. Für die beiden Ordinandinnen kam mit der Ordination ein mindestens 10jähriger Ausbildungsweg zum Ziel. Die Berufung zum pastoralen Dienst umfasst ein einjähriges Vorpraktikum, den erfolgreichen Abschluss des Studiums der Theologie sowie eine dreijährige Ausbildungsphase als Pastorin auf Probe. Über die Ordination entscheidet in der Evangelisch-methodistischen Kirche die Versammlung der ordinierten Pastoren. Ordinierte gehören auf Lebenszeit ihrer Konferenz und damit der Kirchenleitung an. Eine Konferenz ist paritätisch mit pastoralen Mitgliedern und Laienmitgliedern besetzt. Laienmitglieder werden von den Gemeinden entsandt.

Dankbar zeigte sich die Konferenz, dass sie diesen Gottesdienst in der St. Annenkirche Gast sein durfte. Die Größe der Kirche machte auch angesichts des Hygienekonzepts einen fröhlichen Gottesdienst möglich.

Nach den Klängen von Bachs Toccata in d-Moll eröffnete Superintendent Christhard Rüdiger den Gottesdienst mit dem Psalmwort: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ Kirchenmusikdirektor Matthias Süß spielte die imposante Orgel. Ein Doppelquartett unter Leitung von Jörg Herrmann gestaltete den Gottesdienst darüber hinaus musikalisch. Mit Freude und mit Mundschutz stimmte die Gemeinde zum Auftakt ein: „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit“. Die Blicke der Gemeinde wurden immer wieder von der Schönheit der spätbarocken Annenkirche mit ihrer Bilderbibel gefangen.

Hoffnung und Vertrauen ist die Währung der Kirche

„Ganz schön hoch, wohl dem, der schwindelfrei ist, und ganz schön kalt.“ waren die ersten Worte des Bischofs auf der Kanzel der Annenkirche.

Danach folgte das Wort „investieren“. Das geschehe in der Wirtschaft in der Hoffnung, auf lange Sicht Gewinn zu machen. Kapital müsse arbeiten. Stillstand ist Rückschritt, so funktioniere die Wirtschaft. „Und wie funktioniert die Kirche?“,  fragte der Bischof.

Er führte aus: Zu dieser Konferenz gab es vier Schwerpunkte: Geld in der Kirche, Erfahrungen während der Corona-Pandemie, Zeit zum Gespräch wie wir als Kirche mit unterschiedlichen Meinungen beieinander bleiben. Und es wurde über Personen beraten  so wie auch über die beiden Ordinandinnen des heutigen Tages. Dabei wurde deutlich, die Währung, die in der Kirche gilt ist eine andere als Euro, Dollar, Rubel. Die Währung, mit der wir unterwegs sind, ist Hoffnung und Vertrauen.

Dazu habe sich Gott selbst investiert in dieser Welt. „Investieren“ hätte auch eine andere Bedeutung: „Feierlich mit einer Amtswürde versehen“. In dieser Weise habe sich Gott in Jesus Christus investiert.

Im Mittelpunkt der Predigt stand Philipper 2, 6-8: „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ Sichtbar wurde diese Botschaft, indem der Bischof während seiner Predigt die „hohe und kalte“ Kanzel verließ und sich ans Mikrofon auf Gemeindebene begab. Die Investition Gottes in uns Menschen, solle Gewinn machen in unser Leben. So wie es Jesus mit dem Gleichnis von den anvertrauten Pfunden deutlich macht. Was in den Menschen wachsen soll, sei Hoffnung und Vertrauen. Das in die Menschen gesetzte Vertrauen soll sich auszahlen. „Darum geht es für uns, für euch als Gemeinden, uns als Kirche, euch als Ordinandinnen.“ so der Bischof, der die Gemeinde intensiv ansprach: „Traue ich der Liebe Gottes alles zu? Vertraue ich seiner Führung auch dann, wenn ich loslassen muss, wenn ich mich fallen lassen soll und keine eigene Sicherung mehr habe? Traue ich Gott, der mich ruft und beauftragt? Traue ich ihm, wenn er mich ins Unbekannte ruft?“

Agentinnen der Hoffnung

„Wo wir Gott trauen, können wir auch einander vertrauen.“ Dies sei ein großes Pfund in unserer Gesellschaft, in deren Zusammenleben Vertrauen immer seltener anzutreffen sei. Deshalb bräuchten wir eine nachhaltige Großinvestition in das Vertrauen.

Gegen Ende der Predigt machte sich der Bischof auf den Weg direkt zu den Ordinandinnen und ging auf Paulus ein, der im 2. Korintherbrief davon spricht, im Dienst für Jesus Christus, Gehilfen der Freude zu sein. In ihrem Dienst sollen die Ordinandinnen Gehilfinnen der Freude sein, Agentinnen der Hoffnung und des Vertrauens.

Als träumten wir

Das Doppelquartett läutete die Ordination ein. Mit Worten von Ottmar Schulz „Als träumten wir“ stellte ihr Gesang den Dienst der Ordinandinnen in die Hoffnung auf Gottes vollendetes Reich.

Die Ordinationsfragen wurden von beiden Ordinandinnen kräftig mit Ja beantwortet. Bischof Harald Rückert ordinierte unter dem Zuspruch der anwesenden Gemeinde Marie-Theres Ringeis und Christine Meyer-Seifert. Pastorin Christine Meyer-Seifert beginnt in der kommenden Woche ihren Dienst auf den Bezirken Mittelsachsen und Chemnitz-Friedenskirche. Pastorin Marie-Theres Ringeis wartet nach einem Erziehungsjahr auf eine neue Dienstzuweisung ab der Jährlichen Konferenz 2021.

Der Herr behüte dich

Mit einem letzten Gesang des Doppelquartetts endete der Ordinationsgottesdienst. „Der Herr behüte dich“. Die Gemeinde nahm diesen Segen gern entgegen in diesen unsicheren Zeiten, wo insbesondere im Erzgebirge in diesen Tagen die Infektionszahlen durch das Corona-Virus deutlich steigen. Möge sie an den Orten, wo sie wirkt, eine Agentin der Hoffnung und des Vertrauens sein.

Bleiben Sie gesund!


Von der Tagung der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz in Annaberg-Buchholz berichtete für sie Pastor Stephan Ringeis, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit (alle nicht gesondert gekennzeichneten Texte).


Auf Wiedersehen zur OJK 2021 in Schwarzenshof
24. - 27. Juni 2021