Tagesgeschehen vom Freitag, 9. Oktober 2020

Eröffnung

Ab 17:00 Uhr füllte sich die Annaberger Festhalle nach und nach mit den Konferenzmitgliedern. Unter Corona-Bedingungen wirkten die ersten Begegnungen ein wenig unbeholfen. Mundschutz und Abstand gehörten zu den Voraussetzungen für die Konferenzdurchführung.
Als dann die Zahl der Anwesenden stieg, entfaltete sich das bekannte Konferenzgemurmel an den Tischen. Rund 120 Delegierte von rund 160 versammelten sich zur Eröffnung. Noch kurz vor Beginn gab es noch eine Reihe von Absagen, entweder wegen der eigenen Krankheit oder auch Vorsicht.

Der Bischof eröffnete die Konferenz. „Zeit ist kostbar bei dieser Konferenz“, waren seine ersten Worte. Er nahm Bezug auf die verkürzte Form der Tagung. „Trotz aller Einschränkungen ist Konferenz, im Arbeiten und aufeinander Hören können wir gewiss sein, dass Gott in unserer Mitte ist.“ betonte der Bischof, der von seinen persönlichen Erfahrungen in der Zeit von März bis Pfingsten erzählte. Als begeisterter Saxophonspieler lud er Abend für Abend Nachbarn zum Singen ein. Von „Der Mond ist aufgegangen“ bis zu „Freude schöner Götterfunken“ wurde alles rauf und runter gesungen. Ein Lied war vielen unbekannt: „Bewahre und Gott, behüte uns Gott“. Es wurde zu einem Schlager an den zahlreichen Abenden, die viele Menschen mit ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen zusammenbrachten.

Die Konferenz stimmte das Lied „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ an, selbstverständlich mit Mundschutz, aber ebenso mit der Gewissheit, dass Gott die Konferenz in diesen Tagen begleiten wird.


Bericht des Konferenzschatzmeisters

Erstmals berichtet der neue Konferenzschatzmeister Jörg Ringeis, seit September 2019 im Amt, an die Konferenz. Transparent und anschaulich wurden von ihm die Kennzahlen der Haushaltsentwicklung dargestellt. Dabei wurde deutlich, dass die Initiative 50, die im kommenden Jahr ihr 10jähriges „Jubiläum“ feiert, über Jahre gute Wirkung zeigt.

Folgende Informationen gab Jörg Ringeis weiter:

1. Der Gebedurchschnitt eines Kirchengliedes der OJK (Beiträge, Kollekten, Sonderopfer/Jahr) ist seit 2010 von 403 € auf 542 € gestiegen. (2018  = 524 €)

2. Seit 2011 ist der Gebedurchschnitt um 29% gewachsen.

3. Die Schulden der OJK-Bezirke haben sich seit 2010 von 2.6 Mio € auf 1,25 Mio € halbiert. (2018 = 1,35 Mio €)

4. Die Rücklagen der Bezirke haben sich seit 2010 von 564 .000 € auf 971.745 € erhöht. (2018 = 817.000 €)

5. Die Liquidität (vorhandenes Geld auf dem Girokonto des Bezirks) hat sich seit 2010 von 738.106 € auf 1.235.000 € erhöht (2018 =1.072.000 €)

6. Und das wurde erreicht, obwohl die Bezirke im Durchschnitt 86 % ihrer Einnahmen (Beiträge, Kollekten, Sonderopfer) für ihren Konferenzanteil zur Verfügung stellten. (2018 = auch 86%)

7. Und das alles wurde erreicht, obwohl 2010 noch 8947 Kirchenglieder gezählt wurden, nunmehr aber 7414 Kirchenglieder ihre Gaben zusammenlegen.

8. Eine wichtige Frage: Wenn immer weniger Menschen immer mehr Geld zusammenlegen, wann ist der kritische Punkt erreicht?

9. Zurzeit sind 57 Pastorinnen, Pastoren und andere Hauptamtliche in der OJK tätig. Pro Personalstelle stehen 130 Kirchenglieder gegenüber. 2013 waren es noch 154.

10. Die Gehälter liegen derzeit bei 95% der Gehaltstabelle der Zentralkonferenz.

Erstmals seit langer Zeit schloss der Konferenzhaushalt mit einem Defizit. Das Defizit war zu einem großen Teil geplant. Zwischen 2025 und 2030 werden voraussichtlich 20 Hauptamtliche in den Ruhestand gehen. Für diese Zeit braucht es einen Personalbestand der diesen großen Aderlass abfängt. Deshalb liegen die Personalausgaben derzeit verhältnismäßig hoch, d.h. die Konferenz hat derzeit einen kleinen „Personalberg“.
Das Defizit wird aus den Rücklagen finanziert. Diese wurden zum Beispiel in den letzten 5 Konferenzjahren mit positiven Ergebnissen von insgesamt 500.000 € angesammelt.

Nach einer kurzen Diskussion mit wenigen Rückfragen bestätigte die Konferenz den Haushaltsabschluss 2019 und beschloss auch die Haushaltsvorlage für 2020. Für 2020 wird das Gehalt der Pastoren bei 95 % der Tabelle der Zentralkonferenz liegen. Diese Tabelle steigt 2020 um 1,25 %.

Nach der Beschlussfassung dankt der Bischof dem Schatzmeister ganz herzlich für seine hilfreiche Darstellung.


Konferenz beschließt Konferenzanteile der Bezirke für 2021 und 2022

Mit einer detaillierten Übersicht erörterte Superintendent Christhard Rüdiger die Tabellen der Konferenzanteileberechnung für die Bezirke. Angesichts von zwei großen Krisen (Entscheidung der Generalkonferenz, Corona-Pandemie) hat sich die Kommission entschieden, die Anteile nur für 2 Jahre zum Beschluss vorzulegen.
Das Anteilesystem wurde mit verschiedenen Modifikationen fortgeführt. In die Berechnung fließen im Grundsatz die Einnahme (Beiträge, Kollekte, Sonderopfer zu %) und die Kirchengliederzahlen (zu 25 %) der Bezirke ein. Auch das Personal, das auf einem Bezirk tätig ist, fließt in seinem Umfang in die Berechnung ein (zu 25 %). Insgesamt benötigt das System immer wieder gut begründete politische Entscheidungen, denn das beste Rechensystem wird letztlich nicht dem Leben als Ganzes gerecht.

Das System wird insgesamt in seinem solidarischen Effekt belastet, weil die Einnahmeergebnisse zwischen den Bezirken nach wie sehr weit auseinander gehen (Höchster Gebedurchschnitt pro KG/Jahr eines Bezirkes liegt bei 889 €, der niedrigste bei 396 €). Außerdem gibt es bei einer ganzen Reihe von Bezirken besondere Situationen, die ein Nachjustieren nötig machen. Erfreulich ist die große Zuverlässigkeit der Bezirke hinsichtlich der Anteilezahlung. Auch die Corona-Pandemie mit ihren Implikationen für das Gemeindeleben hatte darauf keine Auswirkung. Nach einer Reihe von Rückfragen bestätigte die Konferenz die vorgelegte Anteileberechnung für 2021 und 2022 bei einer Gegenstimme und sieben Enthaltungen mit großer Mehrheit.

Laienführer Reinhardt Blechschmidt stellte den Antrag, dass bei der nächsten Anteileberechnung ab 2023 das ehrenamtliche Engagement der Laienprediger und Predigthelferinnen zugunsten der entsendenden Bezirke zu berücksichtigen. Die anschließende Diskussion würdigte das große Engagement der Laienpredigerinnen und Predigthelfer, wies aber auch auf viele andere Aufgaben hin, der eine angemessene Wertschätzung benötigen. Bei 6-Ja-Stimmen und einer ganzen Reihe von Enthaltungen lehnte die Konferenz den Antrag ab. Der OA 4 für Laientätigkeit wird das Anliegen der Wertschätzung für Predigthelfer und Laienpredigerinnen auf seine Tagesordnung setzen.


Gemeinde in der Corona-Zeit – Fragen über Fragen

Eine gute Zeit nahm sich die Ostdeutsche Jährliche Konferenz am Freitagabend, um sich über Erfahrungen mit der Corona-Pandemie auszutauschen. Teilweise wurde das Gemeindeleben in jüngster Zeit in den Blick genommen, aber auch ganz persönliche Statements hatten ihren Platz.

„Fragen über Fragen“ resümierte ein Redner angesichts der Zerreisprobe, die derzeit gesellschaftlich und auch mitten in den Gemeinden durchzustehen ist. Dankbar wurde festgestellt, dass sich nach kurzer Zeit viel Kreativität und Sensibilität in den Gemeinden entwickelte. Die Einschränkungen in den Räumen brachten die Gemeinden vielerorts ins Freie. Ob das gemeinsame Lied im großen Kreis vor der Kirche, ob die geplante Christvesper auf dem Markt, der Bläserkreis, der regelmäßig den Ort durch die Straßen wandernd grüßte, Corona hat Gemeinden in Bewegung gebracht.

Aber auch Defizite wurden durch diese Zeit offenbar. Immer weniger Menschen sind fähig, eine Hausandacht zu halten. Für manche ist der Gottesdienst der einzige Kontakt zur Gemeinde. Der Verlust dieses Anlaufpunktes war deshalb dann umso schmerzlicher. Die Sehnsucht der Menschen nach den Orten des Gottesdienstes sei stark, offen wäre noch die Form, die es braucht, um diese Sehnsucht zu stillen. Aber auch diesbezüglich sind die Erfahrungen unterschiedlich. Ausgeprägt sei auch der Wunsch, möglichst schnell zu dem zurückzukehren, was vor Corona war. Womöglich sei das ein Zeichen der Angst, Altes hinter sich zu lassen zu müssen.

In einer Zeit solcher Not sei Gottvertrauen unverzichtbar. Das Vertrauen zu Jesus Christus dürfe man nicht aus dem Blick verlieren. Das sei das einzig Tragfähige. Das sei keine Frage.