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Zwickau - traditionsreicher Konferenzort

     1997

In gesellschaftlicher Verantwortung

Die Ostdeutsche Jährliche Konferenz fand vom 4. bis 8. Juni unter Vorsitz von Bischof Dr. Klaiber statt. Zur Tagesordnung gehörten auch wieder die Bericht der Superintendenten. Im Bericht des damals amtierenden Superintendenten Herbert Uhlmann vom Dresdner Distrikt hieß es: "Wir dürfen das Netz unserer Aktivitäten nicht ausdünnen. Wir müssen es verdichten. Mit jedem aufgegebenen Predigtplatz, mit jeder eingesparten Kontaktzone, sei sie auf einzelne Menschen oder auf eine nach unserem augenblicklichen Urteil nicht mehr lohnende Gemeindearbeit bezogen, verlieren wir nicht nur an Quantität, sondern auch an Qualität." Er erinnerte daran, daß man vor Jahren aus größeren Gemeindebezirken kleinere Einheiten schuf. Nun gebe es Überlegungen, zu größeren Einheiten zurückzukehren, um auf diese Weise Personal und Finanzen einzusparen. Herbert Uhlmann: "Es muß jedem, der solche Empfehlungen gibt, bewußt sein, daß wir uns auf diese Weise selbst das Zeugnis ausstellen, eine ehemals missionarische Absicht als unerfüllbar zur Seite zu legen."

Zur personellen Situation hieß es im Bericht von Friedhelm Kober, dem damaligen Superintendenten des Zwickauer Distriktes: "Die Personalnot unserer Kirche in der OJK wird spürbar, vor allem auf dem Zwickauer Distrikt. Auf 33 Bezirken sind 26 hauptamtliche Mitarbeiter tätig" und er fügte an: "Die personelle Besetzung ist auf ihrem zahlenmäßigen Tiefpunkt."

Brief der Jährlichen Konferenz

Die Jährliche Konferenz äußerte sich zu Tagesfragen in einem Brief an die Bundesregierung, an die Fraktionen des Bundestages, die Arbeitgeberverbände und den Deutschen Gewerkschaftsbund mit seinen Einzelverbänden. Im Eingang des Briefes werden die "Sozialen Grundsätze" der weltweiten Kirche zitiert, in denen es heißt: "Jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit und trägt mit seiner Arbeit zu seinem und anderer Menschen Wohl bei."

Auf die gemeinsame Verantwortung wird hingewiesen: "Nach unserer Auffassung haften private und öffentliche Unternehmen für die von ihnen verursachten sozialen Schäden, wie Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung, und haben die entsprechenden Kosten für ihre Beseitigung zu tragen. Wir unterstützen Maßnahmen, die geeignet sind..., die Ansammlung von Reichtum in der Hand weniger abzubauen. Weiter unterstützen wir alle Bemühungen um eine Änderung der Steuergesetzgebung und Beseitigung der staatlichen Subventionsprogramme der Regierung, die die Reichen auf Kosten anderer Menschen begünstigen."

Sorge um die sozial Schwachen

Weiter hieß es in dem Brief: "Mit Sorge erfüllt uns die anhaltende Arbeitslosigkeit und die steigende Zahl der Sozialhilfeempfänger.... Für die Betroffenen und ihre Familien brechen neben materiellen Verlusten soziale Probleme auf, Fragen nach Nutzen und Wert ihres Lebens. Arbeit ist nicht nur Sicherung des Lebensunterhalts, sondern auch eine Entfaltung der Persönlichkeit und hilft, dem Leben einen Sinn zu geben.

Es erfüllt uns mit Sorge, wenn notwendige Sparmaßnahmen auch zu Lasten der sozial Schwachen gehen - wir denken auch an Asylbewerber, Behinderte und Kranke. Durch Einsparungen in der Bildungspolitik werden Berufschancen von Jugendlichen gemindert. Deshalb muß in diesem Bereich mehr investiert werden...

Das Ziel, dringend neue Arbeitsplätze zu schaffen und bis-herige zu erhalten, wird nicht erreicht, wenn im Zuge der geplanten Steuerreform hohe Einkommen wesentlich geringer besteuert werden. Wir sprechen uns für eine Steuerentlastung von Unternehmen aus, die an die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in der Bundesrepublik gebunden ist.

Wir fordern die Unternehmen auf, ihre Verantwortung für die Menschen verstärkt wahrzunehmen und nicht allein die Maximierung ihrer Gewinne im Auge zu haben. Die staatlichen Sparmaßnahmen haben zur Folge, daß die sozialen Aufgaben aller Kirchen umfangreicher werden und die Finanzierung problematischer wird."

Das Schreiben mahnt, nicht nachzulassen im Bemühen, "gemeinsam mit allen in diesen Fragen beteiligten Parteien und verantwortlichen Organisationen Lösungen zu finden."

Die Kirchenglieder - seien es Unternehmer, Selbständige oder Arbeitnehmer - wurden aufgerufen, notwendige Einschrän-kungen mitzutragen, mit anderen zu teilen und für Entscheidungsträger zu beten. "Wir wollen zum Abbau von Egoismus, sowohl von Gruppen als auch von Einzelnen, und zu einer Bewußtseinsänderung in unserer Bevölkerung beitragen."

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