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Zwickau - traditionsreicher Konferenzort

     1956

Gesamtdeutsche Zentralkonferenz

Vom 12. bis 17. Juni tagte zum ersten Mal die deutsche Zentralkonferenz unter Vorsitz von Bischof Dr. Wunderlich in Zwickau.

Ursprünglich war schon für 1953 eine gesamtdeutsche Zentralkonferenz in Zwickau geplant. Sie sollte vom 17. bis 22. Februar stattfinden. Die angespannten politischen Verhältnisse in der DDR ließen das nicht möglich werden. Es war die Zeit, in der die DDR-Politik einen härteren Kurs gegenüber den Kirchen einschlug; besonders gegenüber der Junge Gemeinde und den Studentengemeinden. Sie waren heftigen Repressalien ausgesetzt.

Im Blick auf die Zentralkonferenz gab es Ende Januar 1953 noch immer keine Einreisegenehmigung für die westdeutschen Delegierten. So musste Zwickau als Zentralkonferenzort durch die Delegierten der Mitteldeutschen Konferenz aufgegeben werden. Frankfurt/Main wurde schnell für eine Woche später festgelegt. Die ostdeutschen Delegierten konnten nicht dabei sein. Das war besonders betrüblich, weil an dieser Konferenz ein neuer Bischof nach dem Tod von Bischof C. E. Sommer gewählt werden musste. Die Wahl fiel auf Dr. Friedrich Wunderlich, der im Osten bestens vertraut war. Die Ostdelegierten haben nachträglich einstimmig zugestimmt.

Bischof Dr. Wunderlich ging in seiner Predigt am Beginn der Zentralkonferenz 1956 auf die politische Situation ein: "Gott hat es in seiner Güte gewirkt, hat das Unbegreifliche Wirklichkeit werden lassen. Wenn wir nun hier zusammen sind und uns sehen aus dem Osten und Westen, lassen wir uns richtig erfassen von diesem Gedanken!" Und bewegt betonte er: "Wir stehen mit Demut und Dankbarkeit vor der Tatsache, daß Gott in seiner Güte uns die Einheit unserer Kirche in Deutschland erhalten hat. Die unglückselige Trennungslinie, die unsere deutsche Heimat immer noch unbarmherzig trennt, bedeutet keine Trennung der Methodistenkirche in Deutschland."

In seiner Bischofsbotschaft ging er auch auf den damaligen Mitarbeiterstand ein. "Ein Blick in die Statistik zeigt uns die überragende Bedeutung, die der Laienmitarbeit in unserer Kirche zukommt", sagte er und fuhr fort: "Auf über 1000 Predigtplätzen in ganz Deutschland wird der Dienst am Wort von 281 Predigern und Probepredigern versehen. Sie könnten der großen Aufgabe der Wortverkündigung und des Zeugnisses nicht gerecht werden, hätten sie nicht 1236 Laienprediger zur Seite. 2040 Klaßführer, 79 Gemeindeschwestern und 2225 Sonntagsschullehrer stehen in Seelsorge und religöser Unterweisung unserer Kinder im Dienst der Kirche. Rechnen wir dazu die mehr als 1100 Diakonissen, die den Dienst der Liebe und Barmherzigkeit ausüben, so sehen wir mit Dank gegen Gott, welchen Reichtum an Treue und Hingabe Er uns in unseren Gemeinden geschenkt hat."

Zur Ökumene hieß es in der Bischofsbotschaft: "Es war nie die Auffassung der Methodisten, daß sie als Kirche allein eine vom Neuen Testament her abzuleitende Daseinsberechtigung und Aufgabe hätten. Sie haben nie die eigene Kirche als solche mit dem Leib Christi gleichgesetzt. Sie können allerdings vom Neuen Testament her auch nicht sehen, daß irgend eine andere Kirche oder Gemeinschaft das tun könnte. Wir sehen es vom Neuen Testament her nicht als unsere Aufgabe an, Richter zu sein über andere Zeugen Jesu Christi, sondern Mitdiener und Mithelfer, die einzig und allein besorgt sein müssen, daß sie nicht vergeblich die Gnade Gottes empfangen. Wir stehen nicht im Kampf gegen andere Kirchen, sondern gegen die Sünde, die sich in der Gleichgültigkeit gegen Gott und Mitmenschen zeigt."

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