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Zwickau - traditionsreicher Konferenzort

     1888

Die erste Konferenz erregte Aufsehen

Drei Jahre nach der Einweihung der Kapelle in der Richardstraße tagte im Juni zum ersten Mal eine Jährliche Konferenz in Zwickau. Es war die damalige Norddeutsche Konferenz der Bischöflichen Methodistenkirche in Deutschland.

Für die Gemeinde war es ein großes Ereignis. In einem Gemeindebericht heißt es: "Zur ersten Prediger-Konferenz in Zwickau 1888 hatten wir als Chor tüchtig zu schaffen. Leider zog um diese Zeit unser Sängervater Gebhardt von uns..." Er war Distriktsvorsteher in Zwickau und wurde nach Karlsruhe versetzt, um den Frankfurter Distrikt zu leiten. Sein Nachfolger wurde Prediger Heinrich Mann, der Zwickauer Gemeindepastor in den Jahren 1871-1874 war.

Als Kind erlebte der spätere Südseemissionar H. P. Wenzel diese erste Jährliche Konferenz in Zwickau mit. Jahrzehnte später erzählte er noch, dass er am Konferenz-Sonntag mit seinem Vater dabei war. Und er erinnerte sich: "Distriktsvorsteher Ernst Gebhardt hat im 'Deutschen Haus' einen Gesangsgottesdienst gehalten."

Die Konferenz erregte Aufsehen in der Stadt: "Nach den großen Tagen des Segens der Erbauung im Angesichte des Herrn, die uns durch die Jährliche Konferenz zu Teil geworden sind, hat es Stürme aller Art gegeben". Es habe in der Zwickauer Ephorie der Lutherischen Kirche keine Gemeinde gegeben, in der nach der Konferenz dann nicht Monate lang "auf die bösen Methodisten geschimpft" worden sei.

Der Gemeindeprediger musste sich vor der Amtshaupt-mannschaft wegen angeblich ungesetzlicher Taufen von Kindern verantworten. Es ging um Familien, in denen der Vater zur lutherischen und die Mutter zur methodistischen Kirche gehörten. Wenn Kinder dieser Familien vom Methodistenprediger getauft werden sollten, musste dies erst beim Amtsgericht in die Dissidenten Register eingetragen werden.

Auch vom Stadtrat kamen Vorwürfe. Die Gemeinde habe Kinder angelockt, die nicht zur Methodistenkirche gehörten. Es gab eine Strafandrohung von 60 Mark. Der Gemeindeprediger rechtfertigte sich, dass es wider sein Gewissen ginge, Kinder fortzuschicken. Die Gemeinde wolle die Kinder nicht, wie behauptet worden sei, im Methodismus lehren, sondern "zum Heiland führen".

Die Gemeinde reagierte auf alle Widerstäne gelassen: "Es war zu erwarten, daß auf eine solche herrliche Zeit, eine Zeit der Sichtung folgte." Die Versammlungen waren auf dem ganzen Bezirk recht gut besucht, und unter den Gemeindegliedern herrschte ein guter Geist. Es konnte berichtet werden: "Wir zählen gegenwärtig 195 volle und 197 Probeglieder, die alle in der einen und anderen Weise tätig sind. Wir haben 3 Gesangsvereine, 2 Posaunenchöre, 2 Jünglingsvereine, 2 Jungfrauenvereine, 4 Näherinnen- und einen Temperenzverein... Es wurden sonntäglich 450 'Kinderfreunde', 203 'Evangelisten' verbreitet und 1200 Kalender untergebracht."

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