An die Freunde und Förderer der Russländischen Evangelisch-methodistischen Kirche
BERICHT 2002

Verehrte Freunde, liebe Schwestern und Brüder!

Die Methodisten des Euro-Asiatischen Bischofssprengels senden herzliche Grüße und Segenswünsche!
Einige von Ihnen haben sicherlich gelegentlich den Kopf geschüttelt über die umständliche Bezeichnung Russländische Evangelisch-methodistische Kirche." Wir wollten damit betonen, dass unser Dienst allen Menschen im weiten Russland gehört und nicht nur dem russischen Volk. Im Verlauf der letzten Jahre ist unsere Arbeit über die Grenzen Russlands hinausgewachsen. Ein fünftes Land, Weißrussland, ist zur Liste der Länder hinzugekommen, in denen es bereits methodistische Gemeindearbeit gibt: Russland, die Ukraine, Kasachstan und Moldawien. In Kasachstan, der Ukraine und einigen Gebieten Russlands sind neue evangelisch-methodistische Gemeinden entstanden. So gibt es einige neue Punkte auf der großen Landkarte, die von der Ostsee im Westen zum Stillen Ozean und dem nördlichen Weißen Meer bis zu den zentralasiatischen Wüsten reicht. Das ist beinahe die Hälfte von Europa und ein beträchtliches Stuck von Nordasien. Dem russischen Sprachgebrauch folgend sprechen wir deshalb vom "Euro-Asiatischen" Sprengel der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Gemeinden der Ukraine haben bei der Regierung die Registrierung einer "Evangelisch-methodistischen Kirche in der Ukraine" beantragt, Kasachstan wird hoffentlich bald folgen. Beide Länder werden auch weiterhin zum Sprengel gehören, aber die Anerkennung durch die Regierung verleiht einen gewissen Status und Rechtssicherheit. Die jüngsten Ereignisse in Weißrussland zeigen, wie wichtig das ist. Dort ist alle unregistrierte religiöse Arbeit für illegal erklärt worden. Bitte beten Sie für unsere kleine Gemeinde in Weißrussland, dass die Registrierung bald erfolgt.
Um die Arbeit in dem riesigen Gebiet zu stärken, hatte die Nordeuropäische Zentralkonferenz die Bildung neuer Konferenzen beschlossen. Im Ergebnis hat der Bischofssprengel jetzt vier Konferenzen und 11 Distrikte. Das macht die Arbeit Übersichtlicher, aber darin lag nicht der Hauptgrund für die Strukturreform. Mit dem Neuen Testament und unserer methodistischen Tradition sehen wir Verwaltung und Gestalt der Kirche als Hilfsmittel ihrer Mission. Im Bild von der Kirche als Leib Christi nennt das Neue Testament die ?Gelenke," durch die die Glieder sich gegenseitig in Wachstum und Mission unterstutzen (Eph. 4, 16). Es entstehen neue regionale Zentren, und die Zusammenarbeit der Pastoren und der Gemeinden gibt neue Impulse und Kraft im Dienst. Um die Entscheidung zu veranschaulichen, zeigte eine große Landkarte im Plenarsaal der Jährlichen Konferenz die Gebiete der neuen Konferenzen. Die Konferenz feierte auch das zehnjährige Bestehen der erneuerten methodistischen Kirche in Russland. Eine Reihe unserer Gemeinden haben ebenfalls ihr zehnjähriges Jubiläum begangen. Besuche bei ihnen und in neuen Gemeinden waren ein fester Bestandteil des bischöflichen Reiseplans. Ich schatze die Gottesdienste mit Erwachsenen und Kindern wie auch die Teilnahme an missionarischen und sozialen Projekten mit Familien, Suchtabhängigen, ehemaligen Strafgefangenen und anderen. Fast alle unserer Gemeinden tun solchen Dienst und unterstutzen sich dabei gegenseitig. Gruppen aus unseren Partnergemeinden in westlichen Ländern haben sich ebenfalls beteiligt. Ihre Gaben und Fähigkeiten bereichern uns im Dienst. Im Lauf des Jahres hatte ich Gelegenheit, einigen unserer ausländischen Freunde in ihren Gemeinden und Konferenzen persönlich zu danken, aber ich mochte im Namen der ganzen Kirche noch einmal die tiefe Dankbarkeit für Ihre Hilfe, Ihre Gebete und Ihre Zuwendungen aussprechen. Sie haben uns fühlen lassen, dass Methodisten in der ganzen Welt "ein Volk" sind.
Ein besonderes Vorrecht war es, ausländische Gaste zu haben. Im März wurde in Pskow der "Swop Shop" der europäischen Kinderwerke gehalten. Die Teilnehmer hatten ein gutes Treffen mit dem Höhepunkt im gemeinsamen Ostergottesdienst mit der gastgebenden Gemeinde. Wenn ich jetzt Gemeinden und Sonntagsschulen besuche, kann ich sehen, wie die Ideen des Seminars schöpferisch verwendet werden. Einen herzlichen Dank an die Methodistische Kirche in Großbritannien, deren Hilfe dieses Treffen ermöglicht hat.
Im Herbst besuchte uns der Missionssekretär der deutschen EMK in Russland, um ein vielversprechendes gemeinsames Projekt für Kinder in Russland und Deutschland vorzubereiten. ?Kinder helfen Kindern," ein Missionsprojekt der deutschen Sonntagsschulen, will bei der Entstehung eine Freizeitstätte für Kinder und Jugendliche in Russland helfen. Die Arbeit mit Kindern ist ein wichtiges Anliegen seit dem Wiederbeginn methodistischer Arbeit vor zehn Jahren. Am Anfang haben wir geholfen, den Hunger zu stillen. Sehr bald haben unsere Gemeinden aber auch Kinderstunden und Möglichkeit zu schöpferischem Arbeiten angeboten. Obwohl sie nur wenige Mittel und keine eigenen Raume hatten, haben Gemeinden und Mitarbeiter der Sonntagsschulen Wunderbares geleistet, um den Kindern zu helfen (von denen die meisten nicht aus methodistischen Familien kommen). Jeden Sommer hat es in den Distrikten Kinderlager gegeben, obwohl es schwer war, dafür einen entsprechenden Platz zu finden. Seit einiger Zeit sind dazu auch spezielle Lager zur Vorbeugung von Alkohol- und Drogenabhängigkeit gekommen. Wir haben schon lange davon geträumt, ein eigenes Objekt für diese Arbeit zu haben, das dann auch für Seminare und andere Zusammenkünfte gebraucht werden kann. Wir sind jetzt dabei, ein Erholungslager in der Nahe von Woronesh zu erwerben. Es liegt idyllisch mitten im Wald an einem kleinen Fluss. Da wir mit Hilfe von Aufbauhelfern aus den USA rechnen können, ist auch dieses Projekt ein Beispiel für die weltweite methodistische "Connexio," die Länder und Kontinente verbindet. Projekte, über die in den vergangenen Jahren berichtet wurde, sind weitergegangen, auch wenn es manchmal langsam geht. Das Seminargebäude in Moskau soll hoffentlich 2003 bezugsfertig sein; Projekte an anderen Orten, z.B. Samara und Puschkin, sind weiter in Arbeit. All dies können wir nur tun, weil Sie, ihre Gemeinden und Konferenzen uns helfen. Wir danken Ihnen für diese Liebeszeichen. Schließlich mochte ich noch berichten, dass wir auch in der Zusammenarbeit mit anderen evangelischen Kirchen Fortschritte gemacht haben. Die im Entstehen begriffene ?Evangelische Allianz" (mit Unterstutzung der Kirchenleitungen von Baptisten, Lutheranern, Pfingstlern und Methodisten) will im April in Moskau eine erste Glaubenskonferenz halten. In gemeinsamem Gebet und Hören auf die Bibel wollen wir Möglichkeiten gemeinsamen Zeugnisses entdecken. Unser gemeinsames Erbe ist auch das Thema der Gebetswoche im Januar 2003, die von den genannten Kirchen gemeinsam vorbereitet wird.
Das gemeinsame Gebet ist auch eine wichtige Verbindung mit Ihnen. Danke, dass Sie für uns beten, und seien Sie unserer Fürbitte gewiss. Wir wollen gemeinsam um Gottes Frieden für Gottes Welt bitten, wenn wir uns auf die Ankunft des ?Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst" bereiten. (Jes. 9,5).

In Freundschaft und Verbundenheit des gemeinsamen Glaubens und Herrn,

Ihr Rüdiger Minor