An die Freunde und Förderer der Rußländischen
Evangelisch-methodistischen Kirche
BERICHT 1999
 
 

Liebe Schwestern und Brüder, verehrte Freunde!
 

Mit diesem Gruß zum Jahreswechsel danken wir Ihnen für das Vorrecht,
gemeinsam im Dienst unseres Herrn zu stehen. Als Zeichen unseres Dankes
und zur Bekräftigung des „Verbundes“ (der methodistischen Connexio)
möchten wir Sie an einigen der Entwicklungen und Höhepunkte des Jahres
1999 Anteil nehmen lassen.

Der Status der Rußländischen Evangelisch-methodistischen Kirche:
Nachdem wir im Januar 1999 die Neuregistrierung für die Kirche im
Bundesverband der Russischen Föderation erhalten haben, sind wir jetzt
dabei, jede einzelne Gemeinde bei den örtlichen Behörden zu
registrieren. Dabei haben wir mancherorts das Gefühl, daß sich unsere
Geduld und Ausdauer auf dem Prüfstand befinden. (Lang und verschlungen
sind die Wege der russischen Bürokratie!) Die Jährliche Konferenz 1999
hat 20 neue Gemeinden in den Verband der Kirche aufgenommen. So hoffen
wir im Jahre 2000 insgesamt 50 registrierte Gemeinden zu haben.

Verantwortliche Mitarbeit:
20 neue Mitarbeiter sind in die Probemitgliedschaft der Konferenz und
zur Vorbereitung auf die Ordination aufgenommen worden. Damit gehören zu
unserer Konferenz jetzt 72 Personen im pastoralen Dienst. Das
Theologische Seminar hat ein Fernstudium eingerichtet für Interessenten,
die das Direktstudium in Moskau nicht aufnehmen können. Unter den 40
Teilnehmern sind einige unserer Pastoren, die dem Ruf in den
vollzeitlichen Dienst schon vor Jahren gefolgt sind und deshalb bisher
keine Gelegenheit zu einer gründlichen Ausbildung hatten. Zweimal im
Jahr trifft sich die Gruppe für zwei Wochen in „Sessionen“ zu Seminaren,
Konsultation und Examina, um das in Korrespondenz und Selbstudium
erworbene Wissen zu festigen. Der vierjährige Studienkurs soll die
Inhalte des regulären Seminarkurses vermitteln. „Verantwortliche
Mitarbeit unter der Leitung des Geistes“ war auch das Thema der
Jährlichen Konferenz. Die biblischen und theologischen Grundlagen und
Voraussetzungen für Kirchen- und Gemeindeleitung standen im Mittelpunkt
der Gespräche. Auch in der Weiterbildung der Pastoren wie auch der
praktischen Arbeit in den Distrikten und dem Kabinett verfolgen wir
dieses Ziel.

 Das wachsende Werk:
Im Kaliningrader Gebiet ist eine neue Gemeinde entstanden. Sie
versammelt sich in einer ehemaligen Kapelle der „Evangelischen
Gemeinschaft,“ die als einziges der Gebäude unserer Kirche aus der Zeit
vor dem Zweiten Weltkrieg noch erhalten ist. Seit mehr als 50 Jahren
dient sie als „Dorfkulturhaus.“
Im „Zentralen Schwarzerde-Bezirk“ mit dem Zentrum in Woronesch ist ein
neuer Distrikt gebildet worden.
Zwei Koreanische Gemeinden haben sich der Konferenz angeschlossen und
die Zusammenarbeit mit der Koreanischen Methodistenkirche ist verstärkt
worden.
Fast alle neuen methodistischen Gemeinden befinden sich in größeren
Städten. Es gibt aber neuerdings auch Gemeinden und Gruppen in Dörfern.
Das Landleben in Rußland ist geprägt von überkommenen Strukturen aus der
Sowjetzeit und einer akuten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Krise. Die meisten Leute leben von den Erträgen ihrer Gärten und
individueller Kleinlandwirtschaft. Die Arbeitslosigkeit ist erschreckend
hoch. „Es ist nichts los“ in den Dörfern, deshalb grassieren
Alkoholismus und Stumpfsinn. Die kleinen methodistischen Gemeiden und
Gruppen wenden sich besonders Kindern und Jugendlichen zu. Sie halten
Bibelfreizeiten in den Sommerferien. Eine Gemeinde hat Komputerklassen
eingerichtet, nachdem ausländische Freunde ein paar „ausrangierte“
Komputer gespendet haben. Sogar die örtliche „Disco“ läuft in einem der
Dörfer unter methodistischer Regie. Noch ist  es zu früh, den Einfluß
des Methodismus auf das Landleben in Rußland zu beurteilen, aber die Not
ist groß.

Methodistische Kirchen und Gemeindehäuser:
Zu unserer großen Freude konnten vier Gebäude für unsere Gemeinden
erworben oder gebaut werden (2 in Moskau, in Wologda und in Otradni).
Wir empfinden dies als eine deutliche Bestätigung unserer Arbeit. Außer
einer „richtigen“ Kirche mit Glockenturm umfaßt diese Zahl auch ein
Gemeindehaus (mit Pastorenwohnung) und zwei umgebaute Wohnhäuser. In
Moskau hat das Theologische Seminar ein Gebäude erworben, das nach dem
Umbau für Gottesdienste, Unterricht und als methodistisches Zentrum
dienen soll. Auch in anderen Orten tragen sich die Gemeinden mit
Bauplänen. („unterwegs,“ die Zeitschrift der EmK in Deutschland hat von
diesen Ereignissen im Laufe des Jahres berichtet.)  Alle Gemeinden haben
das „eigene Heim“ auch als eine neue Chance zur Evangelisation und zum
Dienst an ihren Nachbarn angenommen.

Als russische Methodisten freuen wir uns über Gottes Segen in der
positiven Entwicklung der Kirche und ihrer Gemeinden. Wir danken Ihnen
für alle Unterstützung des gemeinsamen Dienstes, für Ihre finanzielle
und wohltätige  Hilfe, am meisten aber für Ihre Gebete. Mit Christen in
anderen Kirchen und vielen unserer Landsleute sind wir tief besorgt über
unser Land und seine Zukunft. Bitte, beten Sie für Rußland, für Frieden
und Versöhnung unter seinen Völkern und für neues geistliches Leben.
In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie
Ihr
Rüdiger Minor

--
Bishop Dr. Ruediger R. Minor
The United Methodist Church, Eurasia Area
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